Bereich Arbeit und Beschäftigung

Vom Hobby zum Beruf

Projekthaus Erlenhof 32 am Marktplatz im Schlaatz. (© Landeshauptstadt Potsdam / S. Heise)

Es herrscht Trubel im „erlenhof 32“. Endlich findet wieder der Nähkurs statt. Alle sind schon ganz aufgeregt. Frau Sokolova ist in den letzten Zügen ihrer Vorbereitung. Alles muss stimmen. Mit viel Sorgfalt und Liebe wird alles hergerichtet. Jede Nähmaschine hat ihren Platz. Verschiedene Stoffe und Materialien werden auf die Tische gelegt. Es kann losgehen.

Frau Sokolova (60) ist durch viele Umwege zu dieser Gelegenheit gekommen. Seit über 20 Jahren lebt sie bereits mit ihrer Familie in Deutschland. Sie ist in der Ukraine aufgewachsen, hat Ingenieurwesen studiert und darin gearbeitet. Am Anfang bereitete ihr die deutsche Sprache einige Schwierigkeiten, die sie mit viel Willenskraft überwinden konnte. Schwerer wog, dass ihr Studium nicht anerkannt wurde. Daher hat Frau Sokolova mit ihrem Mann einen Internetshop für Stoff- und Nähzubehör eröffnet. Diesen musste sie nach fünf Jahren wegen gesundheitlicher Probleme aufgeben, doch die Liebe zu den Stoffen ist geblieben. Umso glücklicher war sie, dass sie in der Quartiers-Selbsthilfe-und Kreativwerkstatt im "erlenhof 32" wieder mit Stoffen arbeiten und ihre Kreativität ausleben konnte.

Die Kreativwerkstatt gehört zum Bereich "Arbeit und Beschäftigung" der Stadt Potsdam und bietet Menschen wie Frau Sokolova vor allem die Chance, mit ihrem Können dem Stadtteil zu helfen. Für die verschiedenen Arbeitsangebote, oft auch in der Grünanlagenpflege, gibt es dann eine Mehraufwandsentschädigung. In vielen Potsdamer Stadtteilen sind solche gemeinnützigen Arbeiten ein fester Bestandteil geworden und nicht mehr wegzudenken.

Daneben gibt es den Menschen in den Projekten das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun und in Gesprächen miteinander und mit den Projektbegleitern fassen sie oft Mut, weitere Schritte zu gehen. Frau Sokolova fühlte sich durch das große Lob für ihre gute Arbeit motiviert, die Kunst des Nähens an andere Menschen weiterzugeben. Passend hierzu wussten die Projektverantwortlichen vom Interesse vieler Bewohnerinnen und -bewohner, aus Altem Neues zu machen, dem sogenannten "Upcycling". Mit Hilfe eines staatlichen Förderprogramms war es für Frau Sokolova sogar möglich, einen regelmäßigen Nähkurs im Stadtteil anzubieten. Dieser Kurs hat sich fest etabliert und heute gibt Frau Sokolova als Mitarbeiterin der Stadt Potsdam mehrere Näh- und Makramee-Kurse im Schlaatz und Drewitz, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Ihr berufliches Ziel hat sie klar im Blick. Sie möchte gerne bis zur Rente im kreativen Bereich tätig sein.